Hyper Hyper

Ein Trend, der mir immer mehr auffällt, ist, dass Kirche scheinbar zu einem Ort der Coolen und Glücklichen geworden ist. Ein Ort, der Menschen anzieht, die sich selbst und ihr Leben feiern. Kirche ist cool. Kirche ist hip oder was auch immer gerade das neuste Trendwort sein mag. Hier tanzen die Mitglieder ganz nach dem Lego-Hit “Everything is awesome” durch die Gegend und strahlen. An sich ist das auch nichts schlechtes, denn ein Abtauchen in diese freudige Happy-Clappy-Welt kann tatsächlich wie ein Kurzurlaub für die Seele wirken.
Was mich allerdings wahnsinnig traurig macht, ist eine kleine aber feine Nebenwirkung des Trends: Es gehen Menschen verloren. Wichtige und wertvolle Menschen. Menschen, die eine beschissene Zeit durchmachen oder durchgemacht haben. Menschen für die Sätze wie “Gott ist sooo gut” “Das Leben ist sooo toll” oder “Lasst uns doch das Leben feiern” wie Spot und Hohn klingen. Menschen, die bei diesen Sätzen nicht wissen, ob sie heulend den Saal verlassen oder dem Gegenüber vor Wut eine kleben sollen. Menschen, die dieser Hype abschreckt. Denn was vielen nicht bewusst ist: diese Sätze können weh tun und verachtend klingen, wenn sie unsensibel und unüberlegt genutzt werden. Und seien wir mal ehrlich, in einer Gemeinschaft, in der ich das Gefühl bekomme, dass mit mir etwas nicht stimmen kann, sonst würde ich mich doch genauso freuen oder in der meinem Leid womöglich mit einem “Freu dich doch (du bist doch Christ)” begegnet wird, würde ich auch nicht bleiben wollen. Auch würde ich nicht erwarten, dass man mich hier versteht oder ich mich jemals dieser Gemeinschaft zugehörig fühle. Wie traurig, dass genau diese Menschen, die nichts mehr brauchen als Hoffnung, Annahme und Trost (= Gott), sich in einer Kirche nicht mehr wohlfühlen.
Gott ist für mich persönlich die ultimative Hoffnung und wir wissen, dass ohne Hoffnung Freude in unserer Zeit zu einer ziemlich schwierigen Angelegenheit werden kann. Dennoch frage ich mich woher diese krasse Einseitigkeit kommt. Brauche ich denn ständig epische Momente? Muss denn immer alles toll, toller am tollsten sein? Es ist ein sehr schwieriger Grad die Hoffnung Gottes zu verbreiten und sich darüber zu freuen, zur selben Zeit aber die zu trösten, deren Leben nicht voller rosa Wolken hängt und die zu erreichen, die ein offenes Ohr statt einer Einladung zum Abdancen brauchen. Diesen Spagat zu schaffen ist – meiner Meinung nach – eine der größten Herausforderungen der heutigen modernen Kirchenlandschaft. Ich glaube, dass Authenzität und Einfühlunsgvermögen hierfür der beste und vielleicht einzige Weg sind. Kirche braucht Menschen, die echt sind. Menschen, die die Achterbahn des Lebens kennen. Menschen mit offenen Ohren und Armen, die wissen wann es Zeit ist, sich mit jemandem zu freuen und wann ihn zu trösten.                    Ich bin dankbar, dass meine Kirche solche Leute hat und gleichzeitig hoffe und bete ich, dass es immer mehr werden, damit sie im Getümmel der Feiernden, die erreichen, die sie brauchen – bevor sie den Gottesdienstsaal wieder verlassen. Wenn du zu dieser Gruppe Menschen gehörst und in eine Kirche gehst, dann bitte ich dich: bleib! Kirche braucht Leute wie DICH! Denn eines Tages wirst DU vielleicht der Grund sein, weshalb ein anderer sich überhaupt erst in eine Kirche traut. Dein Verstehen, dein Zuhören und dein Trost werden einem anderen womöglich die Hoffnung schenken, die er braucht, um zu bleiben. Schließlich können Verständnis und Annahme genauso schön sein wie Freude. Bitte bleib! #speakinglifenotdeath #pleasestay #weneedyou #justspeakingmymind

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